Montag Morgen und ich kann langsam aber sicher wieder sämtliche Geräusche in meiner Umgebung filtern und zuordnen. Mein Nacken entspannt sich, das Grinsen bleibt. Was ist passiert? Nun ja, ich wurde überfahren. Überfahren von einem Monster aus Rock. Ein Monster aus Stahl und Dezibel, ein dampfendes, schwitzendes, lärmendes Monster, frisch aus dem australischen Outback. Eine Lokomotive wie sie nur noch in Museen zu bestaunen ist. Riesig, schwer, stampfend und durch Feuer angetrieben.  Eigentlich gibt es keine passendere Metapher als den Güterzug.

Rückblick:  Oktober 2008. Endlich, nach 8 Jahren erblickt ein Album namens Black Ice das Licht der Welt. AC/DC sind zurück. Rock’n Roll Train begeistert, der Rest ist eher etwas mau. Aber nun gut, es gibt ein paar schöne Songs drauf. Aber das beste an einer neuen Platte ist: Eine gottverdammte Tour. Wir hatte Glück und Karten bekommen, vielen Dank für den Stress an meinen Mitschreiber :)

07.03.2009

Der Tag ist gekommen. Der Plan sieht vor, hier gegen zehn weg zu fahren, einen Abstecher nach Aachen zu machen und dann in Richtung ISS Dome zu gondeln. Normalerweise sind das Tage, an denen meist irgendwas schief geht und so fing der Tag auch an… Clumsy Mausch at work… Kaffee verschüttet, Dinge durch die Gegend fallen lassen etc. Ich schiebe es jetzt einfach mal auf die Vorfreude, die Nervosität verursacht hat.  Aber anscheinend habe ich alles, was schief gehen kann damit abgearbeitet, denn der Rest des Tages wird der Knaller.

Die Fahrt nach Aachen stressfrei, direkt einen Parkplatz am Ziel gefunden, kurz die neue Wohnung des Mit-Schreiberlings in Augenschein genommen, ab in die Altstadt, Printen gekauft und eines der coolsten Pubs seit langer Zeit entdeckt. Dann im nächsten Pub die Schlusskonferenz der Bundesliga gekuckt, kurz nach Holland gedüst um das geilste Zeug des Planeten zu kaufen (nein, nicht DAS… nur Chocomel, das aber genauso killen kann) und dann ab nach Düsseldorf. Den Dome schnell gefunden, einen herrlichen Parkplatz in einer Seitenstraße, eines der letzten gekühlten Biere an der Tanke und dann ab in die Halle.

Hier muss ich kurz mal den Veranstalter loben: Schneller Einlass, viel Platz auch im Innenraum, ein angenehmes Angebot an Fressalien und Getränken und auch das Merchandise war bezahlbar (zumindest wenn man Maiden gewöhnt ist…). Also alles angerichtet für einen Abend, wie er perfekter nicht sein könnte.

The Answer (Myspace) machten viel Spaß als Vorband, zumindest bei den letzten drei Lieder, die wir mitbekommen haben. Endlich wieder eine Band mit „The“ die gute Musik macht. Schöner, schnörkelloser Rock mit einem Sänger, der mich an eine Mischung aus Robert Plant und Shannon Hoon erinnert. Die Jungs können was werden.

Dann nach erfreulich kurzem Umbau (ca. 30 Minuten) geht um 21 Uhr das Licht aus… Die ersten Gräusche werden laut und lauter, die Lok nimmt fahrt auf. Auf der Videowall läuft ein Comic im typischen AC/DC Style. Eine Lok rast durch die Pampa, Brian Johnson schläft auf einem Sitz, zumindest denkt man das, bis die Blondine im Fenster erscheint und Herr Johnson neckisch grinst und Angus schürt das Feuer. Zwei Damen machen sich über den Gott des Rock’nRoll her und versuchen die Lok zu bremsen. Klappt nicht und die Lok rast durch die Wand direkt auf die Bühne. Wow. Da steht er also, der Rock’n'Roll Train und genau damit geht es los. Was für ein Auftakt. Laut, klar, drückend, der Bass bringt die Eingeweide in Wallung und die Herrschaften im Hintergrund (meine Fresse, sind die alt geworden… Man sieht Malcolm, Cliff und Phil einfach zu selten ;) ) schaffen den Untergrund für eine beeindruckende Perfomance der beiden Frontsäue Brian und Angus. Danach direkt die erste Überraschung (ich kannte die Setlist nicht): Hell ain’t a bad place to be… Wie geil ist DAS denn? Das habe ich ja schon ewig nicht mehr gehört… Dann das obligatorische Back In Black, der neue Big Jack (ein geiles Lied), Dirty Deeds und die nächste Überraschung: Shot down in flames? Der Hammer. Thunderstruck und Black Ice bereiten den Boden für den ersten Killer des Abends. The Jack mit der Angus Strip Show und einem höllenlauten Publikum, man merkt, dass man sich warmgesungen hat für die Höhepunkte, die noch folgen sollen. Hells Bells und Shoot To Thrill sind die ersten davon, dann kommt das – zum Glück nur kurze weil irgendwie langweilige – neue War Machine sowie Anything Goes.

Und dann ist kein Halten mehr, mit – einem meiner drei Lieblingslieder – You Shook Me All Night Long geht das Delirium los, TNT mit einem singenden Angus und das großartige Whole Lotta Rosie, die – wie immer überdimensional aufgeblasen – auf der Lok reitet und lasziv durch die Halle kuckt, wird das Publikum auf das absolute Highlight des Abends vorbereitet. Tchaikowsky had the news…

Let there be sound – and there was sound
Let there be light – and there was light
Let there be drums – there was drums
Let there be guitar – there was guitar
Let there be rock!

Das Ganze gipfelte in einem 10-15 minütigen solo von Angus, der alles, aber auch wirklich alles aufbot, was ihn zu einem der geilsten – weil effektivsten – Rock’n'Roll Gitarristen macht. Die 12000 Leute fraßen ihm aus der Hand, die Band war irgendwann mal verschwunden oder zumindest im dunkel ohne irgendwas zu tun, nur Angus bot die One-Man Show schlechthin und rief haufenweise Ungläubigkeit hervor.

Eine kurze Pause (vielleicht 2-3 Minuten) und dann kam der Abschluß. Highway to Hell und das obligatorische For Those About To Rock (We Salute You) mit Kanonendonner und letzten Kraftreserven. Die Lok war zwischenzeitlich verschwunden und die Videowall zeigte Bilder aus vergangenen Tagen. Und mit einem letzte FIRE! wurden wir aus der Welt des Rock’n'Roll entlassen. Glücklich wie selten zuvor nach einem Konzert.

Alles was mir bleibt ist: Danke! Danke für einen geilen Tag mit einem unglaublich genialen Abend. Auf ein baldiges Wiedersehen.

PS: Hah, eines musste ja noch passieren… Aber mit dem Grinsen im Gesicht könnte das Foto von der Autobahn einen Ehrenplatz erhalten…

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