Bankenkrise
September 30, 2008
„Alle große politische Aktion besteht im Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist.“ – Ferdinand Lassalle, Das System der erworbenen Rechte
Nun hat der amerikanische Kongreß also tatsächlich ein unglaubliches Rettungspaket abgelehnt. Was für eine Frechheit. 700 Mrd. Dollar sind doch nur die Hälfte der Portokasse… Gerade mal das ca. 2-fache des bundesdeutschen Haushaltes… 700 (in worten Siebenhundert) Milliarden. Das ist eine 7 mit ganzen ELF Nullen. Eine fast schon unglaubliche Summe, die da in einen Markt gepumpt werden soll, der sich aufgrund von überzogener Gier und unendlichem Profitstreben selbst in diese ziemlich missliche Lage gebracht hat.
Hier muss die Frage nach den immer öfter geforderten Selbstregulierungskräften des Marktes gestattet sein. Wehe der Staat will regulieren und den Markt kontrollieren. Die Rufe nach „freier Marktwirtschaft“ sind kaum zu überhören und schon fast ohrenbetäubend laut. Und jetzt? Jetzt soll der Staat plötzlich mit einer unfassbar großen Summe dafür eintreten, dass manche Leute den Hals nicht voll bekommen haben? Niemals.
Die Entscheidung des US-Kongresses ist überraschend, hart und vor allem sehr mutig. Denn ohne dieses Rettungspaket werden große Veränderungen auf den Finanzmärkten erfolgen. Einige werden als reiche Männer daraus hervorgehen, aber sehr viele Leute werden sehr viel Geld verlieren. Sehr viele bekannte Firmen- und Bankennamen werden für immer von der Landkarte verschwinden, Rezessionen können ausbrechen, die Weltwirtschaft kann in eine ziemliche Depression verfallen. Inflation, Ressourcenknappheit, Massenarbeitslosigkeit, was auch immer. Schwarzmalerei? Wahrscheinlich.
Zurück zur Ausgangsfrage: Darf oder soll der Staat mit solchen riesigen Summen eingreifen oder sollte man sich auf die Selbstheilungskräfte des Marktes verlassen?
Vielleicht ist dieser Prozess notwendig, um den Markt zu bereinigen. Vielleicht muss genau das passieren, um den ungezügelten und wilden Kapitalismus wieder in die Richtung einer sozialen Marktwirtschaft zu führen. Vielleicht wird aus dieser Krise ein Umdenken hervorgehen, vielleicht erwächst daraus ein gesünderes und distanzierteres Verhältnis zu Geld und Gewinn. Meines Erachtens stehen die Chancen hierfür nicht schlecht.
Die USA stehen vor der größten Krise seit 1929, vielleicht ist diese Krise sogar noch drastischer. Aber sollte hier ein Staat, der unglaubliche Summen aufwendet, um einen sinnlosen Krieg zu führen, den er nicht mehr beenden kann, sowie ein riesiges Handelsdefizit aufweist, tatsächlich eine solche Summe in die Rettung eines maroden und instabilen Systemes stecken?
Die Antwort wird die Zeit uns geben.
Oktober 29, 2008 um 6:04
Interessant geschrieben. Wirklich tolle Ansehensweiße. Deine Aussagen haben mich doch tatsächlich dazu animiert einen weiteren Artikel zu verfassen