Meine musikalische Sozialisation
September 25, 2008
Hurgh.
So, ich beschäftige mich ja gerade im Besonderen mit Musik. Also, mit meiner im Speziellen und damit auch mit der Musik an sich irgendwie im Allgemeinen. Warum ist das so?! Nun, ich digitalisieren gerade meine Plattensammlung. Also nee, nicht Platten im Sinne von Platten (Vinyl), sondern CDs. Irgendwie sage ich dazu aber gerne Platten – vielleicht steckt da ein heimlicher Wunsch dahinter. Ich bin nämlich ein paar Jährchen zu jung, um noch wirklich viele Platten (also Vinyl) zu haben. Oder besser: Ich habe zu spät angefangen, Musik zu kaufen, um noch viele Platten zu haben. Ich bin Jahrgang 1975 (ein besonders guter übrigens
) und habe so mit … hmmmm … Fuffzehn „ernsthaft „angefangen, Musik zu kaufen – also in größeren Volumina
). Da gab’s schon die Zeh-De.
Einige ganz wenige alte Sachen hab ich noch auf Platte – da gab’s noch einen Unterschied zwischen Singles und Maxis, falls sich jemand erinnert. Als Maxi hab ich irgendwo noch rumfliegen O.K. von Okay
und You spin me round von Dead Or Alive.
Das muss gewesen sein, als ich Dreizehn war. Wenn ich das heute so betrachte, kann man wohl sagen: Das ist der Grund warum es auch im englischen das schöne Wort „Zeitgeist“ gibt. More 80s geht wohl nicht. Dass ich auch auf das Zeug abgefahren bin (also Synthiekram), liegt zum großen Teil daran, dass mein Bruder (sechs Jahre älter als ich) glühender Depeche Mode Verehrer war. Irgendwas davon ist auch hängen geblieben, denn von denen denke ich heute noch, dass sie eine der großartigsten Bands der 80er waren! 101 ist für mich immer noch eine der besten Live-Platten überhaupt. Über den Habitus und das Auftreten von Dave Gahan kann man sicher denken, was man will, aber ansonsten – großes Tennis:
Eine erste schleichende Veränderung trat ein als ich 1988 Can I Play With Madness von Iron Maiden im Radio hörte. Ich glaub ich war zu jung, als dass es mich endgültig kickte, aber ich war latent infiziert. Einschneidend waren dann zwei Alben 1990: The Razor’s Edge von AC/DC und No Prayer For The Dying von Maiden. Thunderstruck lief überall und war einfach die Hard Rock Offenbarung in diesem Jahr. Es gab nichts größeres als auf irgendwelchen Parties volltrunken mit Angus die Luftgitarre zu malträtieren. Mit der 1991er Live-Scheibe aus Donington war’s endgültig vorbei – seitdem ist Accadacca für mich die unumstritten größte Hard Rock Kapelle des Planeten.
No Prayer hörte ich ständig abends bei einem Freund beim heimlichen Qualmen (geraucht hat er auch). Es sagt vielleicht was über die Qualität der Gruppe aus, dass mich dieses – wie ich heute finde – mit Abstand schlechteste aller Maiden-Alben endgültig infiziert hat. Seitdem und spätestens seit Fear Of The Dark bin ich Maiden komplett verfallen und einigermaßen unzurechnungsfähig wenn’s darum geht CDs von Maiden zu erwerben. Nur die beiden weiteren „Enttäuschungen“ Virtual XI und Dance Of Death bremsten zwischenzeitlich den Sammelwahn etwas … Und beim Betrachten des folgenden Videos fällt mir ein: R.I.P Graham Chapman!
But anyway: Life’s a piece of shit, when you look at it …
In dieser Zeit Anfang der 90er wurde dann alles aufgesogen, was irgendwie mit Heavy Metal / Hard Rock zu tun hatte: Manowar (ja, auch Manowar – man soll sich seiner Vergangenheit nicht schämen), Guns ‘n’ Roses, Megadeth, Metallica, Blinde Gardinen, Iced Earth, Monster Magnet, Type O Negative usw. usf. … Nicht die ganz harten Sachen – kein Death Metal, Grindcore, Black Metal und Thrash. Das kam teilweise später, wobei ich heute immer noch keinen Black Metal hören kann und Death nur in gewissem Maße.
Dazu kam Anfang / Mitte der 90er das, was man vielleicht als Mainstream Punk-Rock bezeichnen könnte – also Green Day, Offspring und Konsorten. Es gab in dem delirierten halben Jahr vor dem Abi 95 keine Party, auf der nicht Basket Case und Self Esteem direkt hintereinander liefen
Schließlich kam das Studium, also viel Zeit für Musik. Ich traf dort einige nicht namentlich zu nennende Nasen (u.a. meinen Mitblogger), mit denen der ein oder andere Abend kopfschlagend verbracht wurde. Da kamen dann endgültig auch die härteren Sachen dazu: Thrash, Industrial, Death (in Maßen), sprich Slayer, Testament, Gorefest, Fear Factory, Pantera et al. Schee war’s.
Zu den absoluten Highlights dieser Zeit zählte aber die Entdeckung einer bisher unbekannte Perle, die mich nachhaltig beeindruckte: die Arschkobra, also Turbonegro. Die ersten Klänge der Apocalypse Dudes mit den Kopfhörern auf den Löffeln beim Reinhören im Drogen Müller waren eine Offenbarung. Ziemlich sicher eine meiner Top-10 Platten. Und wer die Jungs noch nicht live gesehen hat, hat was verpasst. Gimme Death Punk, Baby!
Neben vielen genialen Live-Momenten bei Maiden, AC/DC, Turbonegro und Co. möchte ich zwei völlig unerwartete anführen, die mir ebenfalls neue Bands nahe gebracht haben. 1996 auf der AC/DC Ballbreaker Tour sah ich in der Dortmunder Westfalenhalle eine mir bis dahin unbekannte schwedische Schweinerock-Kapelle namens Backyard Babies. Holy Shit. Es will was heißen, wenn man im Vorprogramm von AC/DC nicht mit „Angus! Angus!“ Rufen von der Bühne gejagt wird. Die Babies wurden gefeiert. Der zweite geniale Moment war irgendwann Anfang des 21. Jahrhunderts in Berlin auf einem Tote Hosen Konzert, als die eigentlich geplante Vorband Gluecifer im schwedische Zoll stecken blieb (ein Schelm wer böses dabei denkt). Spontan sprang die Terrorgruppe ein. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen waren die bis dahin komplett an mir vorbei gegangen. Selten so einen Spass gehabt: „Opa, halt’s Maul -ich scheiß auf Hitlers Feldzug!“ Großes Kino!
So, das war’s dann. Mein erster Post in unserem kleinen Familien-Blog. Mit Sicherheit ohne komplett vollständig zu sein, waren das wohl meine prägendsten musikalischen Erlebnisse.
Interessiert zwar eh keinen, aber jetzt wisst Ihr warum ich gerade fieberhaft auf die neuen Atzedatze-Scheibe warte und mir darüber ein zweites Loch in den Allerwertesten gefreut habe, dass in letzter Zeit so viele totgesagte Bands so geile Alben veröffentlichten. Erwähnt seinen nur Slayers Christ Illusion, Testaments The Formation Of Damnation oder Metallicas Death Magentic (jaja, darüber kann man sich stundenlang auslassen – grottigste Produktion usw. usf. – aber rein musikalisch definitiv ein Schritt in die richtige Richtung!).
In diesem Sinne: Rock ‘n’ Roll ain’t noise pollution
Danforth
P.S.: Mal eine kleine Bemerkung nebenbei: Es ist ja gar nicht alles teurer geworden durch den bösen Oiro. Auf einigen meiner im letzten Jahrtausend erworbenen CDs pappt noch der Preispapper, und siehe da: Ich hab schon vor 14 Jahren für die Youthanasia von Medadeth 31 Mack 95 hingelegt. Also alles gar nicht so schlimm …